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>| KURDISTAN -Dîrok-Geschichte

Kurdistan ist das historische Siedlungsgebiet der Kurden mitten in Vorderasien. Die Etymologie der Bezeichnung Kurdistan ist umstritten, da der Name Kurdistan im Laufe der Geschichte in unterschiedlichem geografischen und politischen Sinn verwendet wurde. Er bezeichnete dabei jeweils Gebiete unterschiedlicher Lage und Ausdehnung.

In der heutigen Zeit wird es meist mit Land der Kurden übersetzt. Kurdistan ist je nach Definition und Schätzung mit 490.000 bis 530.000 km² ungefähr so groß wie Frankreich und umfasst heute Teile der Staaten Türkei, Irak, Iran und Syrien. Zur Zeit leben die Kurden vor allem am Oberlauf des Tigris und im Gebiet rund um den Vansee im Südosten der Türkei, in den Tälern des Großen und des Kleinen Zab im Nordosten des Irak und südlich des Urmia-Sees im Nordwesten des Iran.

Frühzeit

Kleinasien in der AntikeDas Gebiet des heutigen Kurdistan war Teil der Region des fruchtbaren Halbmonds, die von vielen Kulturen und Reichen des Altertums besiedelt wurde. Die Hattier und die nachfolgenden Hethiter besiedelten in der Bronzezeit zwischen 2500 v. Chr. und 1200 v. Chr. das nordwestliche Vorderasien und damit die westlichen Gebiete des heutigen Kurdistan.

Ihr Reich endete im Rahmen der einsetzenden Völkerwanderung . Die hethitische Kultur überlebte jedoch bis um 700 v. Chr. in diversen Kleinstaaten in Ostanatolien, zum Beispiel in Malatya, Zincirli, Karkemisch und Tabal.

Nach der Zerstörung des hethitischen Reiches errichteten die Phryger unter ihrem König Midas ein Reich, das im 9. und 8. Jahrhundert v. Chr. Anatolien beherrschte. Seit 850 v. Chr. bestand in Kurdistan am Vansee das Reich Urartu. Das armenische Königreich erlangte im 1. Jahrhundert v. Chr. seine größte Ausdehnung unter König Tigran dem Großen und umfasste den gesamten Norden Kurdistans.

Neuzeit
Die früheste Bezeichnung für ein Gebiet, das sich explizit auf die Kurden (arabisch: Plur. al-Akrad, Sing. al-Kurd) im Sinne von im 7. Jahrhundert islamisierten kurdischen Volksstämmen bezieht, sind die arabischen Begriffe für „Land der Kurden“ bilad al-kurd und ard al-akrad. Letzterer Begriff findet sich beispielsweise auf einer Landkarte im Diwan Lughat at-Turk von al-Kaschghari aus dem Jahr 466 h.= 1073 n. Chr.

Der persische, uns heute geläufige Name Kurdistan wurde erstmals wenig später als Bezeichnung für eine Verwaltungseinheit des von Ahmad Sanjar 1097-1157 regierten Seldschukenreiches erwähnt.


Ausdehnung des Osmanischen Reiches zwischen 1481 und 1683, darauf Kurdistan westlich des Van-SeesIn einem Brief von 1526 des osmanischen Sultans Süleyman an den französichen König Franz I., nennt Süleyman Kurdistan als Teil seines Herrschaftsbereiches. Die erste Teilung Kurdistans wurde zwischen dem Osmanischen Reich und dem Reich der Safawiden (Persien) 1639 im Vertrag von Qesrî Sêrîn besiegelt. Der Großteil der kurdischen Fürsten begab sich unter die osmanische Oberhoheit. Die damalige Teilung ist auch heute noch an der fast identisch verlaufenden Grenze zwischen der Türkei und dem Iran sichtbar.

Im Jahre 1847 wurde das kurzlebige osmanische Eyalet Kürdistan gegründet. Es umfasste die das Eyalet Diyarbekir, die Sandschaks Van, Mus und Hakkâri und die Kazas (Bezirke) Cizre, Botan und Mardin.

Es gibt bis heute allerdings keine genaue geographische Definition von Kurdistan.

Vertrag von Sèvres und Lausanne
Nach der Niederlage und dem Zerfall des Osmanischen Reichs wurde den Kurden im Vertrag von Sèvres 1920 das Recht auf Selbstbestimmung zugebilligt. Die südwestlichen Gebiete Kurdistans waren französischer Einflussbereich und wurden so Syrien zugeschlagen, England wurde Mandatsmacht im heutigen Irak, dem die südöstlichen kurdischen Landesteile zugefügt wurden.

Zur gleichen Zeit organisierte Mustafa Kemal Atatürk den Widerstand gegen die europäischen Besatzungsmächte und Griechenland. Die Kemalisten propagierten eine Regierung beider Völker (Kurden und Türken) und banden auf diese Weise die kurdischen Stammesführer und Scheichs in den türkischen nationalen Befreiungskampf ein.

Im Vertrag von Lausanne (24. Juli 1923) wurden die neuen Machtverhältnisse zwischen der Türkei und den Besatzungsmächten Vereinigtes Königreich, Frankreich und Italien vertraglich festgeschrieben. Von den Versprechungen des Vertrages von Sèvres gegenüber den Kurden war keine Rede mehr. Das Siedlungsgebiet der Kurden befand sich von da an in vier Staaten: in der Türkei, im Iran, im Irak, und in Syrien.

 

>| Kurd -Die Kurden
Das Bergvolk zwischen Mesopotamien und Kleinasien drohte oft in seiner Geschichte in Vergessenheit zu geraten – wenn es ins Rampenlicht trat, lag stets Unheil ueber dem eurasischen Kontinent. Das war so zu Zeiten der Perser, der Kreuzritter, der Mongolen und der Osmanen – und das ist auch jetzt so, im Zeichen des bevorstehenden Irakkrieges.
EM - Die Kurden sind eines der aeltesten Kulturvoelker der Erde. Schon vor ueber viertausend Jahren wurden sie in sumerischen Texten erwaehnt. In der Antike kannte man sie unter verschiedenen Namen – auf welche Weise schliesslich der Name „Kurde“ entstanden ist, darueber streiten sich die Gelehrten bis heute.

Zwischen dem biblischen Berg Ararat und dem Persischen Golf, von den Ufern des Tigris bis weit in den Iran hinein leben Kurden – mitten im Brennpunkt des Nahen Ostens. Ihr Siedlungsgebiet ist annaehernd so gross wie Deutschland. Es bildet die Landbruecke zwischen Russland und dem Persischen Golf – und damit dem Indischen Ozean. Zwei Drittel des irakischen Erdoels stammen aus kurdischem Boden.

Die Herkunft des Volkes liegt weitgehend im Dunkel der Geschichte
Die Herkunft des Volkes der Kurden liegt weitgehend im Dunkel der Geschichte verborgen. Sie beginnt nach grober Schaetzung irgendwann am Ende des zweiten Jahrtausends vor Chr. Mit der Einwanderung indogermanischer Arier nach dem Iran. In dem von Martin Strohmeier und Lale Yalin-Heckmann im Jahr 2000 herausgegebenen Buch ueber die Geschichte der Kurden heisst es dazu: „Die iranische Hochebene war seit alters her ein wichtiger Schnittpunkt zwischen dem Vorderen Orient und Zentralasien bzw. dem indischen Subkontinent sowie Schauplatz von Wanderungsbewegungen von Voelkern, die aus dem Osten kamen. Vermutlich sind die Vorfahren der Kurden um die Wende vom zweiten zum ersten Jahrtausend v. Chr. Im Zuge von Einwanderungswellen indogermanischer Arier nach West-Iran gekommen und haben sich mit der ansaessigen Bevoelkerung vermischt. Diese Region war Teil der altorientalischen Reiche der Sumerer, Assyrer, Urartaeer und Meder.“

Die kurdische Geschichte ist gepraegt von einer glanzvollen fruehen Vergangenheit, von tiefer Zerrissenheit, von Leid und Unterdrueckung. Die Kurden sind bis zum heutigen Tag ein Volk ohne eigenen Staat. Ihre Bevoelkerung ist aufgeteilt auf die Tuerkei, den Iran, den Irak, Syrien und auf kaukasische Gebiete der ehemaligen Sowjetunion.

Es gibt bis heute keine genaue geographische Definition von Kurdistan. Die Staaten, zu deren Territorien die kurdischen Gebiete gehoeren, versuchen mit allen Mitteln, eine solche Abgrenzung und Begriffsbildung erst gar nicht entstehen zu lassen. Doch auch wenn versucht wird die Existenz Kurdistans zu leugnen, existiert dennoch seit ueber tausend Jahren eine Region dieses Namens. In der Sprache der Perser bedeutete der Name Kurdistan auch ganz klar „Land der Kurden“. Damit wurde eine Provinz des persischen Reiches bezeichnet, in der die tuerkischstaemmigen Seldschuken herrschten. Vom 11. bis zum 13. Jahrhundert uebten sie die Macht ueber weite Teile des Vorderen Orients aus. Auch im Osmanischen Reich gab es eine Provinz mit dem Namen Kurdistan.

Erinnerungen an die indogermanische Vergangenheit der Kurden
Ueber die Vergangenheit der Kurden und ihre urspruenglichen Lebensformen gibt es wenig verlaessliche Quellen, wohl aber eine Fuelle von interessanten Indizien. „Die kulturellen Wurzeln der Vorfahren der Kurden liegen ueberwiegend in den altiranischen und altindischen Zivilisationen begruendet“, heisst es in der bereits zitierten Geschichte der Kurden von Strohmeier/Yalin-Heckmann. Ihre religioesen Anschauungen duerften auch heute noch in Spuren in den kurdischen Glaubensanschauungen vorhanden sein, schreiben die Autoren. Demnach wuerden sowohl eine gewisse Verehrung von Naturelementen wie Feuer und Wasser, als auch Reste aus den Lehren des persischen Religionsstifters Zarathustra im kurdischen religioesen Leben noch eine gewisse Rolle spielen. Die ueberwiegende Mehrheit der Kurden bekennt sich heute zum sunnitischen Islam, einer der beiden grossen Glaubensrichtungen innerhalb des Islams.

 

Erinnerungen an graue Vorzeiten halten die Kurden mit einer Art National-Legende aufrecht. Held ist ein Schmied, der den Tyrannen Zaehak erschlug, dem taeglich zwei Kinder geopfert werden mussten. „Ohne dass es dafuer historische Nachweise gaebe, datiert man in der kurdischen Nationalliteratur dieses Ereignis auf den 21. Maerz im Jahr 1234 vor Hedschra, der Flucht Mohammeds aus Mekka, was dem Jahr 612 v. Chr. Entspricht. Das Datum hat allerdings groesste geschichtliche Bedeutung. An jenem Tag naemlich wurde die assyrische Hauptstadt Ninive von den Medern erobert, als deren Nachfahren sich viele Kurden verstehen, und die assyrische Geschichte damit beendet.“ So schreibt Dr. Guenther Deschner in seinem Buch „Saladins Soehne“. Der Autor hat auf zahlreichen Reisen Kurdistan und die Kurden kennengelernt und packende Reportagen mitgebracht.

Deschner berichtet: „Alle Kurden, auch die im europaeischen oder amerikanischen Exil, feiern diesen Tag als Neujahr, als ‚Newroz‘. Es ist ein Tag, an dem man die besten Kleider anzieht. Die Frauen tragen bunte, weitgeschnittene, brokatartige Gewaender und ihren Goldschmuck. Es wird gut gegessen, gesungen und getanzt.“

„Auf den Berggipfeln und Anhöhen in Kurdistan“ schreibt Deschner, „leuchten am ‚Newroz‘-Abend zahlreiche Feuer in die Nacht hinein, genau wie die Fruehlings- und Osterfeuer im skandinavischen, deutschen und teils auch osteuropaeischen Raum“. Er vermutet, dass sie auf „indogermanische Einfluesse“ zurueckgehen. Deschner: „So wie der 21. Maerz als Tag- und Nacht-Gleiche auch bei Germanen, Kelten und Slawen als Fruehlingsbeginn gefeiert wurde und noch heute mit dem Fruehlingsbrauchtum des Osterfestes zusammenhaengt, ist auch das Neujahrsfest ‚Newroz‘ als Wechsel der Jahreszeiten zu verstehen.“

Schon immer war Kurdistan ein strategisch wichtiges Gebiet
Die Kurden leben seit jeher in einer Region Eurasiens, die von besonderer strategischer Bedeutung ist. In unserer Zeit sind es vor allem die Oelvorkommen, die Kurdistan interessant machen und der Wasserreichtum aus seinen Bergen. Auf beides moechten weder der Irak noch die Tuerkei verzichten. Die wichtigsten Oelfelder des Irak liegen in den Randgebieten Kurdistans bei den Staedten Kirkuk und Mosul. Im tuerkischen Ostanatolien um Batman wird ebenfalls auf kurdischem Gebiet Oel gefoerdert. Dies ist mit ein Grund, warum weder Tuerken noch Iraker die Kurden in einen eigenen Staat entlassen werden. Beide Laender wuerden dadurch riesige Reichtuemer verlieren.

Im Zentrum Kurdistans liegt der oestliche Teil des Taurusgebirges. Er gehoert zur Tuerkei. Hier entspringt der Euphrat. Die westlichen Berge des Zagros ragen im iranischen Teil Kurdistans auf. Mit 5165 Metern ist der Berg Ararat im aeußersten Norden die hoechste Erhebung des Kurdengebietes. Im Westen fallen die zerkluefteten Gebirgszuege in das anatolische Hochland der Tuerkei ab, im Sueden zur mesopotamischen Tiefebene und zur syrischen Wueste. Durch seine Unzugaenglichkeit war Kurdistan ueber Jahrhunderte von den Handelswegen des Orients ausgeschlossen.

Nicht nur die Landschaft Kurdistans ist von grossen Gegensaetzen zwischen Ebenen, Wuesten und Gebirgen gekennzeichnet. Auch sein Klima weist extreme Unterschiede auf. Im gebirgigen Norden des Landes fallen die Temperaturen im Winter auf bis zu minus 30 Grad Celsius. Im Nordirak, in der Gegend um Kirkuk, steigt das Quecksilber im Sommer oft auf bis zu 40 Grad

Die Bedeutung der Kurden fuer die Geschichte des Orients
Die Kurden spielten im Orient seit jeher eine bedeutende Rolle und stellten mit Kerim Khan Zend von Ardelan sogar einen persischen Kaiser. Die einzige Chronik der Geschichte des kurdischen Volkes, die von einem Kurden selbst verfasst worden ist, stammt aus dem Jahr 1596. Sie traegt den Titel „Arich el-Akrad“ und stammt von Scheref Khan, dem Oberbefehlshaber des kurdischen Heeres im Fuerstentum Bitlis. Davon ist der Name einer tuerkischen Stadt in Ostanatolien geblieben, die in der Naehe des Goeli-Sees liegt.

„Das Ziel Scherefs war es“, schreibt Deschner, „mit dieser Chronik, dem ersten Versuch einer Darstellung der kurdischen Geschichte ueberhaupt, die Vergangenheit seines Volkes zu erhellen und dadurch in den staendigen Kaempfen zwischen Osmanen und Kurden das Bewusstsein einer eigenstaendigen kurdischen Nation zu formen.“

Im Westen ist Kurdistan vor allem durch ein Abenteuerbuch zum Begriff geworden
„Seit Tagen befand ich mich in einem Zustand der Spannung wie seit langem nicht. Es gibt kein Land der Erde, das so zahlreiche Raetsel birgt wie der Boden, den die Hufe meines Pferdes beruehrten. Es ist eine Landschaft, in der Voelkerhass, wilder Fanatismus und die Geissel der Blutrache Legionen von Opfern gefordert haben.“

Dieses Zitat ueber Kurdistan stammt von einem der bekanntesten Autoren von Abenteuerromanen. Der Held seines beruehmtesten Buches, ein Reisender aus Deutschland, dem er den Namen Kara ben Nemsi gegeben hatte, reist „Durchs wilde Kurdistan“. So lautet der Titel des romanhaft-fiktiven Berichts. Die Abenteuer des Kara ben Nemsi flossen aus der Feder des saechsischen Hilfslehrers Kal May und haben ein Millionenpublikum in aller Welt begeistert.

Islamische Quellen berichten ueber die Geschichte der Kurden
Mit dem Entstehen des Islams und seiner raschen Ausbreitung im 7. Jahrhundert n. Chr. wird die Geschichte der Kurden an Hand von Dokumenten nachvollziehbar. Denn nun taucht sie in den muslimischen Quellen auf und ist von da ab gut dokumentiert. Die kurdischen Gebiete werden dem aufstrebenden islamisch-arabischen Reich eingegliedert, das sich in kurzer Zeit nach Persien, bis an die Grenzen Indiens, zum Kaukasus, an den westlichen Rand Afrikas und ueber Spanien ausdehnt (Siehe „Die Mauren“). Im Zuge dieser muslimischen Expansion wurden die Kurden ebenfalls islamisiert.

Es entstanden nun in verschiedenen kurdischen Regionen und Staedten kurdisch-islamische Dynastien. Eine sehr erfolgreiche war die der Marwaniden, die im Gebiet zwischen Mosul, Diyarbakr und Nusaibin ueber ein Jahrhundert lang herrschte. Die bekannteste dieser Dynastien ist die der Ayyubiden, die Mitte des 12. bis Mitte des 13. Jahrhunderts die Macht ueber Aegypten, Syrien, Teile Mesopotamiens und den Jemen ausuebte. Der Schwerpunkt ihrer Herrschaft lag infolge dieser grossen Ausdehnung laengst nicht mehr im Gebiet von Kurdistan.

Die strahlende Herrschergestalt des Sultan Saladin
Im Mittelalter stellten die Kurden mit Sultan Saladin (kurdisch Sala ad-Din), der die Kreuzfahrer aus Jerusalem vertrieb, eine der strahlendsten Herrschergestalten ihrer Geschichte. Zu dieser Zeit kaempften kurdische Kontingente in Syrien gegen die europaeischen Ritter auf Seiten der muslimischen Araber. Unter ihrem kurdischen Fuersten Sultan Saladin besiegten sie 1187 bei Jerusalem das 60 000-Mann-Heer der Kreuzritter und eroberten die Heilige Stadt für den Islam zurueck. „Furcht und Schrecken ergriffen die Herzen der Christen“, heisst es darueber in einer arabischen Chronik, „und sie flehten um Gnade. Salah ad-Din schenkte den Franken das Leben und die Freiheit.“ Bis heute wird Saladin als die herausragende Persoenlichkeit der kurdischen Nationalgeschichte verehrt.

Jahrhundertelang wurde die Geschichte der Kurden vom Osmanischen Reich gepraegt
Beim Mongoleneinfall in Vorderasien zu Beginn des 13. Jahrhunderts n. Chr. wurden grosse Teile Kurdistans von den Reiterhorden des Grosskhans erobert. Hundert Jahre spaeter wuetete Timur-i Laeng, der in Usbekistan geborene Herrscher eines Reiches, das sich von Mitte des 14. Jahrhunderts bis Anfang des 15. Jahrhunderts von Indien bis zum Mittelmeer erstreckte und auch Persien und Kurdistan unterworfen hatte. Dieser linksseitig teilweise gelaehmte brutale Eroberer, im Westen „Tamerlan“ genannt, hat viele Staedte und Dörfer Kurdistans ausgeloescht. Man denkt unwillkuerlich an ein Pendant unserer Tage, den beruechtigten Usbekengeneral Abdul Raschid Dostam, der eine Blutspur durch Afghanistan gezogen hat.

Es wurde nun „still um die Kurden“, heisst es in dem Geschichtswerk des Autorengespanns Strohmeier/Yal?in-Heckmann. In den folgenden Jahrhunderten praegte vor allem das Osmanische Reich, das vom 14. Jahrhundert bis 1922 bestand, ihre Geschichte.

Dieses Reich hatte seine Wurzeln in der mongolischen Expansion von Zentralasien in die westlich davon gelegenen Laender. Mit ihr gelangten tuerkische Voelkerschaften nach Westen. Sie kamen teilweise als Fluechtlinge, die vor den Reiterhorden der Grosskhane flohen, zum Teil zogen sie selbst in den Mongolenheeren mit. Diesen Voelkern, zum Beispiel den Ogusen, gelang es in Kleinasien, verschiedene Herrschaften zu errichten. Das osmanische Fuerstentum war auf Dauer das erfolgreichste. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts entstand daraus die Keimzelle des Osmanischen Reiches. Es dehnte sich in den folgenden Jahrhunderten durch eine Reihe von Eroberungen angrenzender Gebiete immer weiter aus. Erst Mitte des 16. Jahrhunderts kamen diese zum Stillstand.

Im Reich der Osmanen lebten schliesslich Tuerken, Araber, Bosnier, Albaner und Kurden nebeneinander. Sie waren allesamt Muslime. Zwischen den alteingesessenen kurdischen Herrscherfamilien und dem tuerkischen Sultanat wurden teilweise Autonomievereinbarungen getroffen. Die Kurden mussten den Treueid leisten, brauchten aber der tuerkischen Oberhoheit weder Soldaten zu stellen noch Steuern zu zahlen. Die osmanische Verwaltung hatte in Kurdistan einen entsprechend geringen Einfluss.

Im persischen Teil Kurdistans gab es ebenfalls autonome Herrschaften. Ihre Fuersten fungierten praktisch als Statthalter der Zentralregierung . Etwa 300 Jahre lang, bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, existierten diese kurdischen Fuerstentuemer auf beiden Seiten der Grenze zwischen Persien und der Tuerkei. Die Trennlinien der beiden Nachbarlaender verliefen dadurch fliessend. Unbehelligt zogen nomadisch lebenden kurdischen Hirten von einer Seite auf die andere. Erst kurz vor dem 1.Weltkrieg legten Persien und die Tuerkei einen genauen Grenzverlauf fest.

Waehrend dieser 300 Jahre kam es in den weitgehend autonomen Kurdengebieten jedoch auch immer wieder zu Versuchen, sich ganz von der jeweiligen Zentralgewalt zu loesen. Das war auf tuerkischer Seite nicht anders als auf der persischen. Es gab eine ganze Reihe von kurdischen Aufstaenden, die jedoch von Tuerken und Persern allesamt niedergeschlagen wurden. Nach einem solchen Durchgreifen tuerkischer Truppen wurde im Osmanischen Reich sogar eigens eine „Medaille des Sieges ueber Kurdistan“ gepraegt. Im Gegensatz zur spaeteren Republik Tuerkei hatten die Osmanen offenbar kein Problem mit dem Begriff „Kurdistan“, mit dem sie das ueberwiegend kurdisch besiedelte Ostanatolien belegten.

Das groesste Volk der Erde, das ohne eigenen Staat lebt
Wirklich zuverlaessige Angaben ueber die Zahl der heute lebenden kurdischen Bevoelkerung liegen nicht vor. Schaetzungen belaufen sich auf 45 bis 65 Millionen Kurden, die zur Haelfte auf die Tuerkei entfallen. Im Iran sollen rund 9 Millionen Kurden leben, im Irak gut 8 Millionen,im GUS Staaten rund 2,5 Millionen,im deutschland gut eine million,im Armenien rund 2 millionen,im kasachsten 0,8 millionen und in Syrien rund 3,5 Million. Die Zahl der Kurden in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion wird auf rund 900 000 geschaetzt.

Saladins Nachfahren, die Kurden von heute, sind das groesste Volk der Erde, das nicht in einem eigenen Staat lebt. Ihr Versuch, eine eigene Nation und eigene staatliche Souveraenitaet zu erlangen, ist immer wieder an den Interessen der sie umgebenden Maechte, aber auch an eigener kurdischer Zerstrittenheit gescheitert.

Seit ueber einem halben Jahrhundert kaempfen sie nun auch mit Gewalt um ihre nationalen Rechte. Ihre blutigen Aufstaende wurden aber stets grausam unterdrueckt. Dennoch liessen sie sich auch immer wieder fuer die Interessen anderer Maechte missbrauchen, in der Erwartung als Lohn ihren eigenen Staat zu bekommen, die jedoch noch jedesmal enttaeuscht wurde.

Grosse Hoffnung auf einen eigenen Staat keimte 1920 in Kurdistan auf. Nach dem Sieg der Alliierten im Ersten Weltkrieg hatte US-Praesident Woodrow Wilson eine 14-Punkte-Erklaerung vorgelegt, die eine neue Friedensordnung versprach. Im Mittelpunkt sollte das Selbstbestimmungsrecht der Voelker stehen. General Sherif Pascha, ein Kurde, der waehrend des Krieges in tuerkischen Diensten gestanden hatte, wurde als Vertreter der kurdischen Freiheitsbewegung zu den Pariser Friedensgespraechen entsandt. Er ueberreichte dort die kurdischen Forderungen.

Ziel der Alliierten war es damals vor allem, das osmanische Grossreich zu zerschlagen und ihren Interessen entsprechend aufzuteilen. Die Tuerken mussten auf alle nichttuerkischen Provinzen verzichten: Albanien und Teile des neu zu schaffenden Staates Jugoslawien sowie Nordgriechenland und Makedonien. Das nordafrikanische Tripolis wurde den Italienern zugeschoben. Das arabische Kuestenland vom Hedschas bis zum Jemen beanspruchten die Briten, ebenso Mesopotamien. Die bisherige osmanische Oberhohheit ueber Aegypten uebertrugen die Englaender schliesslich auf sich selbst. Syrien wurde franzoesischer Oberhohheit unterstellt. Ein Teil Anatoliens war bereits fuer ein autonomes Kurdengebiet vorgesehen.

Die Kurden setzten vergebens auf das Selbstbestimmungsrecht der Voelker
Entsprechend gross waren die Hoffnungen der Kurden als der alliierte Hohe Rat am 11. Mai 1920 der osmanischen Delegation den in Sevres, einem Konferenzort im westlichen Aussenbezirk von Paris ausgehandelten Vertrag ueberreichten. Er sah in zwei Paragraphen ein kurdisches Autonomiegebiet vor mit kultureller und politischer Selbstverwaltung.

Aber die tuerkische Nationalbewegung unter Mustafa Kemal verhinderte seine Verwirklichung. Kemal wurde der neue starke Mann in der entstehenden tuerkischen Republik. Der Sultan in Instanbul wurde abgesetzt, die Hauptstadt nach Ankara verlegt und von Autonomie fuer die Kurden oder gar von einem eigenen Staat war nun nicht mehr die Rede. Die tuerkische Regierung leugnete schliesslich sogar die Existenz der Kurden. Sie bezeichnete die Angehoerigen dieses Jahrtausende alten Volkes nur noch als „Bergtuerken“, verbot den Kurden die eigene Sprache und versuchte auf diese Weise seine Kultur auszuloeschen.

Blut fuer Oel - seit 70 Jahren geht es bei allen Kriegen in der Golfregion nur um das eine
Die Weltoeffentlichkeit, oder wie man heute sagt, die Internationale Gemeinschaft, nahm davon keine Notiz. Die Großmaechte waren an den Kurden nicht interessiert. Es drehte sich damals schon alles um die Erdoellagerstaetten. Um ihrer Beherrschung willen wurden seit den dreissiger Jahren nahezu alle Kriege gefuehrt, die im Gebiet zwischen dem Nil und dem Persischen Golf stattfanden. Es wurden Machtkaempfe inszeniert und Regierungen gestuerzt. 1958 waren US-Marineinfanteristen im Libanon gelandet. Biriten und Franzosen bombardierten den Suez-Kanal. Der jordanische Koenig wurde von den westlichen Maechten gegen die Palaestinenser unterstuetzt, als diese eine Gefahr fuer den Monarchen wurden. Das alles geschah zum Schutz der westlichen Oelinteressen. Auch der CENTO-Pakt von 1958, dem der Gedanke eines prowestlichen Staatenguertels von der Tuerkei ueber den Irak, Persien und Afghanistan bis nach Pakistan zugrunde lag, war wegen des Schutzes dieser Oelinterssen geschlossen worden.

Die Amerikaner bauten schliesslich Saddam Hussein zum Herrscher des Irak auf, ruesteten ihn mit modernen Waffen aus und ermoeglichten es ihm so, zum Schlaechter an zigtausenden von Kurden zu werden.
Die innerkurdische Zerrissenheit verhinderte seit den zwanziger Jahren einen gemeinsamen Kampf um einen eigenen Staat oder zumindest eine Autonomie fuer die kurdisch besiedelte Region. Stattdessen kam es zu unterschiedlichen Zeiten in den einzelnen Staaten immer wieder zu Aufstaenden, waehrend derer sich die jeweils kaempfenden Kurden meistens von einem der Nachbarstaaten unterstuetzen liessen, selbst wenn diese ihrerseits die innerhalb ihrer eigenen Staatsgrenzen lebenden Kurden unterdrueckten.

Der Wunsch, eine Nation zu bilden war dennoch schon lange im kurdischen Volk lebendig. 1898 wurde die erste kurdisch- und osmanischsprachige Zeitung „Kuerdistan“ durch einen kurdischen Verleger gegruendet. Ihre Verbreitung wurde jedoch im Osmanischen Reich verboten. In der Tuerkei und in Persien reagierten die Zentralregierungen auf die nationalen Bestrebungen der Kurden mit der Unterwerfung ihrer autonomen Fuerstentuemer.

Doch auch danach kam es immer von neuem zu Aufstaenden, bis ins ausgehende 20. Jahrhundert hinein. Vor allem in der Tuerkei und im Irak. Alle kurdischen Vereinigungen wurden verboten. Es kam zu Umsiedlungen und Deportationen, um die Staemme auseinanderzureissen, die Stammesstrukturen zu zerschlagen. Auch im Iran kaempfen die Kurden um ihre kulturelle Autonomie, auch dort gelten sie „nur“ als Iraner.

Mit dem Aufmarsch der USA und ihrer Verbuendeten gegen den Irak braut sich wieder Unheil zusammen ueber dem eurasischen Kontinent. Und wieder treten die Kurden ins Rampenlicht des Geschehens. Die im Nordirak lebenden Staemme wollen nach Bagdad marschieren, um den verhassten Diktator Saddam Hussein zu beseitigen und ihr Ziel, einen eigenen Staat zu erlangen, endlich doch zu erreichen. Aber der Plan des US-Imperiums in der Golfregion und den angrenzenden Laendern eine neue, seinen ureigensten Interessen dienende „Ordnung“ zu etablieren, wird keinen Raum lassen fuer einen Kurdischen Staat.

 

Der Giftgasangriff auf Halabja war der unruehmliche Hoehepunkt einer systematisch betriebenen Gewalt-, Verfolgungs- und Vernichtungspolitik des Saddam-Regimes gegen die irakischen Kurden im Rahmen der beruechtigten.Anfal-Kampagne, bei der ueber 4.000 kurdische Doerfer und Siedlungen in Irakisch-Kurdistan zerstoert, 185.000 Menschen verschleppt wurden, verschollen sind oder getoetet wurden sowie weitere Hunderttausend umgesiedelt und zwangsdeportiert wurden.

Das ganze Ausmass dieser unmenschlichen Politik der damaligen irakischen Machthaber wird heute immer deutlicher. Nach Auskunft des irakischen Ministeriums fuer Menschenrechte gelten insgesamt bis zu eine Millionen Iraker seit dem Machtantritt der Baath-Partei 1968 als vermisst. Genaue Zahlen sind nicht vorhanden, denn das Regime fuehrte nicht Buch ueber seine Verbrechen. Faktisch jede kurdische Familie hat ermordete, verschleppte oder verfolgte Angehoerige zu beklagen. Weit ueber 300 Massengraeber wurden seit Ende des Terrorregimes im April 2003 frei gelegt. Man geht davon aus, dass darin die Ueberreste von mindestens 500.000 Toten zu finden sind. Vor nicht allzu langer Zeit hatten US-Ermittler sogar im Sueden Iraks ein Grab mit den Leichen von 1.500 Kurden entdeckt. Dies ist nur ein Beispiel von vielen. Die Bergung der von Saddams Soldaten ermordeten Menschen ist ein muehseliger Prozess. Sie dient zum einen der Identifizierung der Opfer, damit die Hinterbliebenen Gewissheit erhalten. Aber es geht auch darum, Beweise gegen Saddam Hussein und seine Helfer zu sammeln, damit die Ermordeten eine spaete Gerechtigkeit erfahren koennen. Der Sturz des Saddam-Regimes durch die alliierten Streitkraefte unter Fuehrung der USA und Grossbritanniens war fuer die uebergrosse Mehrheit des irakischen Volkes und insbesondere für die irakischen Kurden deshalb nichts anderes als eine Befreiung von einer verhassten Diktatur. Die Toten und Geschaedigten von Halabja und alle Opfer der Gewaltherrschaft verpflichten die irakischen Kurden, dafuer Sorge zu tragen und Garantien zu schaffen, damit sich derartige Verbrechen nicht wiederholen koennen. Sie fuehlen sich aus diesem Grunde in die Pflicht genommen, mit aller Konsequenz fuer die Schaffung von unumkehrbaren freiheitlichen, demokratischen und foederalen Strukturen in ganz Irak einzutreten und in die Realitaet umzusetzen. Dies ist der notwendige und einzig gangbare Weg. Nur dadurch wird es ermoeglicht, den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Unabdingbar ist dafuer auch, dass die Schuldigen der Verbrechen zur Verantwortung gezogen und bestraft werden.

Ein erster, ermutigender Schritt erfolgte im Dezember 2005 in Den Haag durch den Prozess gegen den niederlaendischen Geschaeftsmann Frans van Anraat. Das Gericht verurteilte ihn zu 15 Jahren Haft wegen Komplizenschaft beim Giftgasangriff auf Halabja im Jahre 1988. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass van Anraat Chemikalien trotz Exportverbots an den Irak lieferte, aus denen spaeter das gegen die kurdische Bevoelkerung eingesetzte Senfgas und Nervengas hergestellt wurden, was der Verurteilte „wissen musste“, wie das Gericht feststellte. Damit habe er sich der Beihilfe zu Kriegsverbrechen schuldig gemacht. Das Gericht entschied ausserdem, dass es sich bei dem Giftgasangriff auf Halabja um Voelkermord gehandelt hat. Umso mehr kommt es nun darauf an, dass die Hauptschuldigen und Hauptverantwortlichen dieses Voelkermordes zur Rechenschaft gezogen werden. Ein falscher Eindruck wird erweckt, wenn einige Medien im Zusammenhang mit dem Prozess von Den Haag den Verurteilten van Anraat faktisch als alleinigen Lieferanten von Giftgas darstellen. Es gibt erwiesenermassen zahlreiche andere Unternehmen und Geschaeftsleute“, darunter massgeblich aus Deutschland, bis hin zu Regierungen, die den Irak vor allem waehrend des Krieges mit Iran mit Waffen (einschliesslich chemischen Kampfstoffen) und Technologie fuer deren Herstellung versorgt haben.

Und schliesslich sei erneut die Frage erlaubt: Warum steht immer noch nicht die Frage der Entschaedigung der Opfer und ihrer Angehoerigen in Halabja auf der Tagesordnung? Sie haben darauf einen unverzichtbaren Anspruch und wir fordern die volle Durchsetzung des Rechts!Mit Genugtuung kann zweifellos der historische Moment konstatiert werden, dass der irakische Diktator Saddam Hussein und seine Komplizen heute in Bagdad vor Gericht stehen. Aber dabei geht es zunaechst nur um eine einzige Anklage: das Massaker an 143 Schiiten in dem Dorf Dujail im Jahre 1982. Sollte der Diktator in diesem Punkt verurteilt werden und das Urteil Bestand haben, droht ihm die Todesstrafe. Es waere moeglich, dass er dann nie wegen all der anderen Verbrechen vor Gericht kommt. Das darf nicht geschehen. Der Giftgasangriff auf Halbja und auch alle anderen Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen des frueheren Regimes muessen vollstaendig aufgearbeitet werden! Dazu gehoert, dass vor allem die Hauptverantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden! Den Opfern von Halabja muss Gerechtigkeit widerfahren!

 

>| Newroz und seine Bedeutung

Fikrat Safar
Das Kurdische Neujahrsfest Newroz, das am 21. März gefeiert wird, ist aus dem Widerstandsgeist des Kurdischen Volkes entstanden und symbolisiert diesen bis heute. ,,Newroz" heißt wörtlich ,,der neue Tag" und hat sich aus den Wörtern ,,nu" (neu) und ,,roj" (Tag) über ,,nur"' und ,,nuroz" zu ,,newroz" entwickelt. Als Fest der Wiedergeburt erlangte es zuerst bei den Kurden Bedeutung und wurde dann später auch von anderen iranischen Völkern übernommen. Kurden, Afghanen, Perser, Belutschen, Tatschiken u.a.feiern heute dieses Fest, das sie alle um ihre eigenen nationalen Bräuche bereichert haben. Das Newrozfest ist wahrscheinlich das älteste Kurdische Fest. Es wurde erstmals 612 v.Chr. in den Kusi- und Med-Reichen gefeiert und jährt sich damit dieses Jahr zum 2605. Mal. Newroz wurde und wird als Beginn eines neuen jahres, wenn der Winter vorbei ist und dar Frühling kommt, gefeiert. Der harte kurdische Winter, der insbesondere für die in abgelegenen Bergdönfern leben den Menschen eine schwere Zeit bedeutet, ist vorüber, die Tiere erwachen ius ihrem Winterschlaf, die Blumenwelt erblüht und die prallen Wassenfällen, Bäche und Flüsse rauschen wieder Jod geben damit der paradiesischen Landschaft Kurdistans ihr typisches Aussehen. Die Menschen fühlen sich wie neu geboren und schöpfen neue Kraft für ihr hartes Leben.

Das Newrozfest In der Literatur

Es wurde bereits viel über den mythologischen, volkskundlichen und in neuerer Zeit insbesondere über den politischen Hintergrund des Newrozfestes geschrieben. Dadurch, daß sich mit der Zeit das Wissen des kurdischen Volkes über das Newrozfest vergrößerte, wurde auch der Inhalt des Festes ständig bereichert. Vor allem alte Bücher enthalten viele wertvolle Hinweise auf Newroz. In dem heiligen Buch ,,Zend Avesta" des Zerdescht (Zarathustra)-Glaubens, einer der ältesten Religionen der iranischen Völker, wird über ein Frühlingsfest berichtet. Man kann mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, daß es sich bei diesem Frühlingsfest um das Newrozfest handelt, denn die Yesidi-Kurden, die nach wie vor Anhänger dieses Glaubens sind, feiern noch heute das ,,Cemayi', das dem Newrozfest sehr ähnlich ist.

Im Jatire 999 schrieb der berühmte Historiker Firdewsi ein Epos, welches unterdem Namen ,,Shanamey Firdewsi" bekannt wurde. Er berichtet dort ausführlich über das Newrozfest und die Kurden. Auch das Werk ,,Newrozname" von Omar Chayam schildert das Newrozfest. Das gleiche gilt für das 1597 erschienene Buch ,,Scherefname" von Bitlis Scherefxan über die Geschichte der Kurden und Osmanen. Das Epos ,,Mem u Zin" von Ehmade Xani beschreibt ebenfalls, wie Newroz von den Kurden gefeiert wird und wie die Kurden mit dem Einzug des Frühlings zu neuem Leben erwachen.

Mythologie des Newrozfestes

Zum mythologischen Hintergrund des Newrozfestes ist zu bemerken, daß die unterschiedlichen Auslegungen überdie Ursprünge von Newroz darauf zurückzuführen sind, daß die Menschen in den verschiedenen Gegenden des Landes das Fest um ihre jeweils eigenen Bräuche erweitern und damit bereichern, sodaß sich natürlich unterschiedliche Entwicklungen ergeben.
Die eigentliche Gesch ichte des Newrozfestes in seiner noch heute gültigen Bedeutung als SymboldesWiderstands geht zurück auf den Tag. als sich das Volk von der Unterdrückung des grausamen Herrschers Dehok befreite.

 

Die Legende erzählt, daß Dehok, der sogar seinen Vater umbrachte, sich durch die Ermordung des damaligen Herrschers Camsid an die Macht gebracht hatte. Eines Tages wuchsen ihm zwei Schlangen aus seinen Schultern. Verzweifelt bat er Ärzte und Weisen aus dem gan-zen Land um Hilfe. Einmal wurde ihm empfonlen. er solle die Schlangen täglich mit den Gehirnen von zwei jungen Menschen füttern, das würde sie vielleichttöten. So gab DehokseinenWächtern den Befehl, täglich zwei junge Menschen umzubringen. Haß und Abscheu regten sich unter dem Volk, doch es war wehrlos. Dank einiger mitfühlender Wächter des Dehok, unter ihnen Ermayil und Kermayil, wurden jeden Monat 30 junge Menschen vor dem grausamen Tod bewahrt, indem man den Schlangen statt zwei Menschenhirnen ein Schafshirn und ein Menschenhirn zum Fressen gab.

Hunderte mußten in die Berge flüchten. Nach dem Epos ,,Shanamey Firdewsi" bilde-ten diese Menschen, die die freie Luft der Berge atmeten, den möglicherweise Newroz heute se ersten kurdischen Stamm. Kawa, der bekannte Held der Newroz-Mythologie, brach eines Tages das Schweigen des Volkes und organisierte den Widerstand gegen die Despotenherrschaft. Der weitaus seltener genannte Feridun beteiligte sich ebenfalls am Volksaufstand - aus Rache, weil sein Vater dem Tyrann geopfert worden war. Und nach der ,,Shanamey Firdewsi" war er es, der Dehok umbrachte, indem er Nägel in seinen Kopf schlug, die in das Gehirn eindrangen. Die eigentliche Heldenrolle kommt jedoch Kawa zu, denn ihm gelang es, das Volk zum Widerstand zu bewegen und es so zu befreien. Der Sturz des Dehok machte der Grausamkeit und dem Leid ein Ende. Aus der Freude, diese harte Zeit überwunden zu haben und aus dem Bedürfnis heraus, dieses große Ereignis zu feiern, wurde das Newrozfest geboren. Es gibt eine bemerkenswerte Parallele zwischen der damaligen und der heutigen Situation des leidgeprüften kurdischen Volkes. Dehok verkörpert die kolonialistischen Unterdrücker der Gegenwart und Kawa nach wie vor den revolutionären Kampf der Kurden. Das ist auch der Grund, aus dem keine Macht der Welt das Newrozfest verdrängen kann. Es wird ewig als Tradition bewahrt bleiben.

Wenn Newroz naht, werden in Kurdistan große Feuer entzündet. Da Kawa, um das Eisen zu schmieden, mitdem er zum Kampf aufrief, Feuer brauchte, wurde dieses Feuerzu einem wichtigen Symbol für Newroz. Auch soll Kawa nach der Befreiung des Volkes auf einen hohen Berg gestiegen sein und dort ein großes Feuer entzündet haben, um den Sieg zu verkünden. Auch in dem heiligen Buch ,,Zend Avesta" des zarathustrischen Glaubens hat das Feuer eine große Bedeutung. Damit steht dieser alte kurdische Glauben mit seiner positiven Einstellung zum Feuer im Gegensatz zum Islam und auch zum Christentum, in denen das Feuer die Hölle symbolisiert.

Heute verkörpern die lodernden Flammenden Kampf und die Sehnsucht des kurdischen Volkes nach Freiheit. Daß während der Newrozzeit überah in Kurdistan Feuer entzündet werden, zeugt vom ungebrochenen Verlangen des kurdischen Volkes nach Unabhängigkeit.

Die politische Bedeutung von Newoz heute

Der antikolonialistische Widerstand in Kurdistan hat im 20. Jahrhundert stark zugenommen. Deshalb versuchen die Kolonialmächte alles, um das Volk zu unterdrücken. Sie verbieten seine kulturellen Besonderheiten, betreiben eine intensive Assimilationspolitik und halten das Land bewußt unterentwickelt. Sie dulden nicht, daß das Volk das Newrozfest in seiner ursprünglichen Bedeutung feiert. In der Türkei ist es sogar ganz verboten. Frei konnte Newroz vor den Ereignissen der letzten Jahre nur 1946 in der kurdischen Republik Mahabad in Ostkurdistan (,,Iranisch"-Kurdistan), sowie in Südkurdistan (,,Irakisch"-Kurdistan) 1958, als die bürgerlichdemokratische Revolution gesiegt hatte, und in der Zeit der Autonomieverwirklichung 1970-1974 gefeiertwerden. Damalswurde Newroz zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Dieser Feiertag blieb zwar auch nach der kur-dischen Kapitulation 1975 erhalten, jedoch wurde ihm seine Bedeutung als Newroz Tag genommen, indem man ihn in ,,Fest des Baumes" umbenannte, um von Newroz abzulenken und dessen Inhalt zu zerstören. Trotz aller Vebote feiern die Kurden das Newrozfest und erfüllen es mit dem Geist der nationalen Befreiung. Die politischen Inhalte gewinnen dabei immer mehran Bedeutung.

In jüngster Zeit war Newroz immerwieder mit Tragödien und Niederlagen, aber auch mit dem Sieg der Freiheit und mit Hoffnung verbunden. So bombardierte die irakische Luftwaffe zur Newrozzeit des Jahres 1988 die kurdische Stadt Halabja mit international verbotenen Chemiewaffen. 5.000 Zivilisten wurden dabei getötet, weitere tausende verwundet.

1991 kam es zur Newrozzeit zu einem großen Volksaufstand in Südkurdistan (,,lrakisch"-Kurdistan), in dessen Folge es den Kurden gelang, große Teile ihrer Heimat zu befreien. Erstmals seit 1975 konnte dort wieder frei Newroz gefeiert werden. Doch Freude und Freiheitwähr-ten nicht lange. Ende März startete der irakische Diktator Saddam Hussein eine Großoffensive und vertrieb ca. 4 Millio-nen Kurden aus ihren Städten und Dör-fern in Richtung iranische und türkische Gren-ze. Das Newrozfest 1992 stand unter dem Zeichen der bevorstehen-den er-sten freien Wahlen in Kurdistan, die am 19. Mai abgehalten wurden. In diesem Jahr 1993 nun wird Newroz erstmals in dem föderalen Staat irakisch-Kurdistan gefeiert werden, der am 4. Oktober 1992 von dem frei gewählten kurdischen Parlament ausgerufen wurde.

Dagegen werden aus Nordkurdistan ("Türkisch"-Kurdistan) voraussichtlich auch in diesem Jahr wieder schlechte Nachrichten zur Newrozzeit erwartet. Denn die Kurden dieses Teils von Kurdistan werden auch 1993 am 21. März wieder ihr Newroz begehen und der Menschen gedenken, die letztes Jahr zu Opfern der Staatsgewalt wurden, als die friedlichen Newrozfeiern mit Panzern niedergeschlagen wurden.

Die türkische Armee und die Sicherheitskräfte werden wieder versuchen, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die Feiern zu verhindern, womit eine erneute Tragödie vorprogrammiert ist.
Doch trotz der viel zitierten Uneinigkeit, die unter den Kurden in mancherlei Hinsicht herrschen mag, verbindet sie doch eine Hoffnung, die ihnen niemand wegnehmen kann: die Hoffnung, daß das kurdische Volk den Wintergut überstehen wird und in allen Teilen Kurdistans ein freies und vor allem friedliches Newrozfest feiern kann.
In diesem Sinne begehen auch die Kurden im Ausland - Arbeitsemigranten, Studenten, Asylbewerber - das Newrozfest, denn sie wollen die Tradition bewahren und ihre Solidarität mit ihrem Volk daheim in Kurdistan zum Ausdruck bringen.

 

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>| Aufstände

1919: Erster Aufstand von Mahmud Berzanci in Silemani.
1920: Kocgiri-Aufstand.
1925: Scheich-Said-Aufstand.
1927 - 1930: Ararat-Aufstand unter der Organisation Xoybun.
1938: Aufstand in Dersim.
1961 - 1970: Molla Mustafa Barzani-Aufstand im irakischen Teil.
1967 - 1968: Aufstand der Demokratischen Partei Kurdistan-Iran (DPK-I).
1984 - 1992: Religiöse Bewaffneter Kampf der "Islamische Bewegung" im Nordirak.
1984 bis Heute: Bewaffneter Kampf der PKK in der Türkei.

AUFSTAND IN Syrischen teil Kurdistan 12.03.2004
Massaker gegen kurdische Bevölkerung in Syrien – Mehr als 70 Tote und
Hunderte von Schwerverletzten in den kurdischen Regionen
Kurz vor dem Beginn eines Fussballspiels am 12. März in der kurdischen Großstadt Qamishlo in der
nordöstlichen syrischen Provinz Heseki haben eine bewaffnete arabische Meute und die syrischen
Sicherheitskräfte auf die Besucher in der Stadion geschossen. Dabei starben 8 Kurden und 4 Araber.
Nach eigenen Informationsquellen aus Syrien wurden aus Anlass eines am 12. März in der kurdischen
Stadt Qamishlo ausgetragenen Fußballspiels zwischen der kurdischen Mannschaft Al-Cihad aus
Qamishlo und der arabischen Al-Fatwa aus der Stadt Deir el Zor bewaffnete arabische Baathisten mit
Bussen nach Qamishlo gebracht.
Diese bewaffneten Araber, die offensichtlich mit Billigung des Provinzgouverneurs, des syrischen
Geheimdienstes und des örtlichen Landrats skandierten vor dem Fussballspiel die Bevölkerung auf
den Strassen von Qamishlo mit pro Saddam und anti-kurdischen Parolen, um die Bevölkerung zu
provozieren. Diese organisierte Meute führte ihre Provokation auch in dem Fußballstadion vor dem
Beginn des Spiels weiter. Die Kurden reagierten mit anti-Saddam und prokurdischen Parolen.
Daraufhin griff die organisierte arabische Meute mit Eisenketten und Waffen die Kurden an. Die
Sicherheitskräfte in dem Stadion haben statt zur Befriedung bzw. Beruhigung der Massen zu sorgen
die bewaffneten arabischen Baathisten unterstützt und auf die kurdischen Besucher geschossen. Dabei
entstand eine Panik unter den Besuchern im Stadion und starben 8 Kurden und 4 Araber. Die
Auseinandersetzung zwischen den beiden Bevölkerungsteilen geht auch außerhalb des Stadions
weiter. Am Abend steigt die Zahl der Toten auf 19. Hunderte von Schwerverletzten werden in die
umliegende Krankenhäuser gebracht. Die syrische Polizei inhaftiert zahlreiche Kurden.
Trotzdem der am Abend ausgerufenen Ausgangssperre gehen Abertausende von Kurden auf die
Strasse und verbrennen syrische Fahnen und zerstören die Büsten vom verstorbenen ehemaligen
syrischen Präsidenten Assad. Die Sicherheitszentrale der Polizei, das Gebäude des syrischen
Geheimdienstes sowie der Sitz des Landrates werden in Brand gesteckt. Die Ereignisse dehnen sich
am 13. März auf die kurdischen Städte Amude und Derik aus. Auch in diesen Städten gehen
Abertausende Kurden auf die Strassen, um das Vorgehen der syrischen Sicherheitskräfte zu
protestieren und ihre Toten in Qamishlo zu beklagen. Während der Auseinandersetzung mit den
Sicherheitskräften sterben wiederum mehrere Personen und Hunderte werden verletzt. Auch in diesen
Städten werden die staatlichen Dienststellen, wie Polizeizentralen und andere Einrichtungen in Brand
gesteckt. Die Bevölkerung verlangt die Bestrafung des Gouverneurs, des Geheimdienstchefs der
Provinz sowie seiner Helfershelfer.
In der Stadt Qamishlo beziehen Panzer Stellungen bis die für Spezialeinsätze ausgebildete berüchtigte
14. Brigade der syrischen Streitkräfte in die kurdischen Städte einrückt.
Die staatlichen Medien in Syrien erhängen eine Nachrichtensperre. Es werden keinerlei Nachrichten
über die Ereignisse und deren Folgen von diesen Medien verbreitet.
Am 14. März greifen in der Provinzhauptstadt Heseki bewaffnete arabische Baathisten die Kurden an
und stecken ihre Geschäfte und andere Einrichtungen in Brand. Auch dort beklagt die kurdische
Bevölkerung zahlreiche Tote und Verletzte. Die Aufnahmekapazität der Krankenhäuser in Heseki ist
am Abend erschöpft.
Eine von kurdischen Parteien gebildete Kommission ruft die Bevölkerung auf die Proteste und
Kundegebungen zu beenden. Sie ruft gleichzeitig eine dreitägige Trauer in den kurdischen Regionen
aus. Sie trifft sich mit den Vertretern der armenischen und assyrischen Bevölkerung in Qamishlo, um
gemeinsam die Lage zu erörtern. Auch mit den arabischen Stammesführern werden Gespräche
geführt, um deutlich zu machen, dass diese Auseinandersetzungen kein kurdisch-arabischer Natur
sind, sondern das Ergebnis einer Politik des Baath-Regimes gegenüber der kurdischen Bevölkerung in
Syrien ist.
Trotz der Aufrufe an die kurdische Bevölkerung springen die Proteste und Auseinandersetzungen am
14. März auf die kurdischen Regionen Koban und Afrin über. Auch in diesen beiden Regionen gehen
Abertausende von Menschen auf die Strasse und protestieren gegen die syrische Politik und beklagen
ihre Toten und Verletzte sowie die Zerstörungen in der Provinz Heseki.