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Religion
In Kurdistan sind verschiedene Religionen und Glaubensrichtungen vertreten. Anhänger der sunnitischen Glaubensrichtung des Islam bilden die Mehrheit der Bevölkerung, aber auch andere Auslegungen des Koran bzw. Islam (wie z.B. die aus der Schia hervorgegangene Bajwan) sind vertreten. Daneben finden sich mit Yeziden, Yaseran, Christen, Juden, Kaka´i, Shabak, Sarli ... etc. Anhänger einer Vielzahl anderer Religionen.
Sunniten
Etwa zwei Drittel bis drei Viertel der KurdInnen, darunter fast alle Kurmanci und Sorani sprechenden KurdInnen, sind sunnitische Moslems. Ihre Lehre ist die Sunnah, die auf dem Koran, den Lehren Mohammeds und sechs Büchern religiöser Traditionen basiert. Die Lehre der Sunniten folgt vier gleichberechtigten Rechtsschulen. Im Unterschied zu ihren türkischen Nachbarn sind die Mehrzahl der KurdInnnen Anhänger der schafiitischen Rechtsschule. Die kurdische Sunnah hat zahlreiche mystische Elemente und ist stark mit Orden (tariquat, z. B. dem Qadiri und Naqisbandi) verbunden.
YEZIDEN
Die Yeziden sind von der Volkszugehörigkeit Kurden. Sie sprechen die kurdische Sprache, und auch die Siedlungsgebiete der Yeziden sind die kurdischen Gebiete. Es gibt kein freies Kurdistan. Die Yeziden leben verteilt im Irak, in Syrien, Türkei und ein ganz kleiner Teil im Iran. Es gibt auch noch Yeziden in den ehemaligen Sowjetstaaten Armenien und Georgien und mittlerweile auch in Deutschland. Zwar gibt es keine offizielle Zählung der Yeziden, die Gesamtzahl wird jedoch auf 800.000 geschätzt. Damit ist das Yezidentum, das ehemals die Ursprungsreligion der Kurden war, eine religiöse Minderheit unter den mehrheitlich moslemischen Kurden. Etwa 550.000 leben im Nordirak als Hauptsiedlungsgebiet, wo sich auch das religiöse Zentrum der Yeziden - Lalish - befindet. Lalish liegt in der Nähe von Mossul. In der Nähe liegt auch der Sitz des weltlichen und geistigen Oberhauptes der Yeziden.
Die yezidische Religion ist eine monotheistische Religion, deren Wurzeln 2.000 Jahre vor Christus in die Zeit des Mithraismus zurückgehen. Gott ist allmächtig und erschuf die Welt. Die yezidische Vorstellung ist, daß neben Gott keine zweite Kraft existieren kann, die ohne seine Fürsprache, ohne sein Dazutun etwas Böses verrichten kann. Deshalb existiert auch nicht die Gestalt des Bösen. Damit einhergehend ist auch die Vorstellung, dass das Leben für einen Yeziden nicht mit dem Tod endet, sondern es wird nach einer Seelenwanderung ein neuer Zustand erreicht.
Der Mensch ist in erster Linie selbst verantwortlich für sein Wirken. Aus yezidischer Sicht hat Gott dem Menschen die Möglichkeit gegeben, zu sehen, zu hören und zu denken. Er hat ihm den Verstand gegeben und damit die Möglichkeit, für sich den richtigen Weg zu gehen.
Zentrale Bedeutung hat der Engel Tausi Melek, der durch einen Pfau symbolisiert wird. Nach der yezidischen Mythologie hat er in besonderer Weise die Allmächtigkeit Gottes gehuldigt und wurde von Gott zum Oberhaupt der sieben Engel erkoren. Er nimmt eine Art Stellvertreter-Funktion Gottes ein.
Man kann als Yezide nur geboren werden. Es besteht nicht die Möglichkeit, zum Yezidentum zu konvertieren. Die yezidische Gesellschaft hat das Verständnis, daß ein Yezide ein guter Mensch sein kann, aber um ein guter Mensch zu sein, muß man nicht Yezide sein. Das heißt, die Yeziden vertreten nicht die Auffassung, andere Menschen von der eigenen Religion überzeugen zu müssen. Sondern das Yezidentum ist von vornherein tolerant gegenüber anderen Religionen ausgerichtet. In einem Gebet der Yeziden wird gesagt: “Lieber Gott, schütze erst die 72 Völker und dann uns”. Die Yeziden haben keine Berührungsängste mit anderen Religionsgemeinschaften. So ist z.B. das Verhältnis zwischen Yeziden und Christen sehr gut. Dies hat etwas mit der gemeinsamen Leidensgeschichte der Yeziden und Christen in den kurdischen Gebieten zu tun. Die Yeziden haben z. B. während der Zeit der Armenienverfolgung (1914-1917) sehr viele Yeziden in ihren Häusern aufgenommen.
Seit dem 11. Jahrhundert gibt es innerhalb der Yeziden bestimmte Kasten, die der yezidische Reformator Sheikh Adi eingeführt hat. Die Gruppen sind unterteilt in Laien - die kurdische Bezeichnung lautet „Murid“ (das allgemeine Volk) - und die Kaste der Geistlichen, die sich dann noch in zwei weitere Kasten unterteilt - die Kaste der „Sheikh“ und die der „Pir“. Die Zuordnung der Kasten erfolgt nach dem Vererbungsprinzip. Die Geistlichen haben die Funktion, die Laien zu betreuen und in der religiösen Lehre zu unterweisen. Darüber hinaus übernehmen sie wichtige soziale Funktionen. Im Gegensatz zum Kastenwesen im Hinduismus haben die Kasten im Yezidentum nicht die Funktion, eine weltliche Hierarchie herzustellen, sondern sie legen hauptsächlich religiöse Funktionen fest. Der Kontakt zwischen den einzelnen Kasten ist nicht nur gewünscht, sondern die einzige Möglichkeit, die Religion zu bewahren. Durch ihre Einführung wurde eine komplexe Gesellschaft geschaffen, die aufgrund der gegenseitigen Abhängigkeit zu einem besseren Zusammenhalt unter den Yeziden geführt hat.
Schiiten
Schiitische KurdInnen sind im Westen und im Südosten des kurdischen Siedlungsgebietes anzutreffen. Die Schiiten folgen in der religiösen Lehre der ersten Familien- und Verwandtschaftstradition nach dem Tod des Propheten Mohammed, und sind Anhänger von Ali, dem Schwiegersohn des Propheten Mohammed. Imame sind in der schiitischen Lehre Mittler zwischen Gott und den Menschen. Der Kern der schiitischen Lehre beruht – neben dem Koran und den Lehren Mohammeds - auf den Überlieferungen der historischen zwölf Imame. Der zwölfte Imam, Mohammed Al’Madi, verschwand im Jahr 878. Der Überlieferung nach ist er der Welt nur vorübergehend entrückt und wird wenige Tage vor dem Jüngsten Tag als Mahdi wiederkehren.
Alewiten
"Alewiten" ist eine Sammelbezeichnung für Anhänger verschiedener, teilweise schiitisch geprägter Glaubensvorstellungen, zu denen auch grosse kurdische Bevölkerungsgruppen der Türkei gehören. Auch die Anhänger des Bektasi-Ordens und die in der Türkei unter der arabischen Minderheit in der Hatay-Provinz und in der Region Adana vertretenen Nusairier werden zumeist zu den Alewiten gerechnet. Unter den KurdInnen in der Türkei macht der Anteil der Alewiten etwa 25% aus. Alewitische KurdInnen leben vor allem in den Provinzen Maras, Malatya, Xarput und Dersim.
Es Gibt auch Jûdische Kurden und Christen.Die meisten Jûdische kurden, sind nach Israel ausgewandert.
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